Musikstreaming-Dienste wachsen weiter

von 3. August 2016News

Fast jeder vierte Onliner in Deutschland hört Musik über spezielle Streamingdienste. Der Anteil der zahlenden User ist zwar gestiegen, aber noch immer lässt sich kaum mehr jeder fünfte Nutzer den Streaminggenuss etwas kosten.

Der Bitkom hat heute frische Zahlen aus einer repräsentativen Umfrage zum Thema Musikstreaming vorgelegt. Demnach hören sich 39 Prozent der Internetuser in Deutschland Musik über spezielle Streamingangebote wie Spotify, JUKE!, Tidal, Napster, Deezer, Groove oder beispielsweise Soundcloud Musik an. Letztes Jahr taten dies 37 Prozent.

„Anbieter von Musik-Streaming sind inzwischen mehr als nur riesige Online-Plattenläden. Nutzer finden dort kuratierte Playlists, Konzerttickets ihrer Lieblingskünstler oder die Möglichkeit, Musik mit Freunden zu teilen“, erklärt Timm Lutter, Bitkom-Experte für Consumer Electronics & Digital Media. Obwohl nur 22 Prozent (Vorjahr: 19 Prozent) kostenpflichtige Angebote nutzen, ist es das Streaming, welches den Musikmarkt in Deutschland und anderen Teilen der Welt wachsen lässt.

Mehr Geld für Musikbranche

Der Bitkom verweist hier auf den Global Music Report 2016, demzufolge Streaming die am schnellste wachsende Einnahmequelle der Branche ist. Infolge der günstigen Entwicklung im digitalen Geschäft stieg der weltweite Umsatz mit Musik laut Global Music Report zuletzt um 3,2 Prozent. „Mindestens 70 Prozent der Einnahmen kostenpflichtiger Streaming-Dienste werden an die Rechteinhaber ausgeschüttet, etwa Labels, Verlage oder Verwertungsgesellschaften“, so Lutter.

Musikstreaming 2016 in Deutschland | Grafik: Bitkom

Musikstreaming 2016 in Deutschland | Grafik: Bitkom

Wie bei vielen neuen Entwicklungen zeigen junge Menschen deutlich mehr Interesse für die Streamingdienste. Während die Angebote von 55 Prozent und damit der Mehrheit der 14- bis 29-jährigen Onliner genutzt werden, sind es bei den 30- bis 49-jährigen 41 Prozent und bei den  50- bis 64-jährigen bloß 32 Prozent.

An den Inhalten kann es kaum liegen, dass deutlich weniger ältere Onliner die Angebote nutzen: „Die Streaming-Dienste entwicklen ihr Angebot ständig weiter und bieten mittlerweile passende Inhalte für alle Altersklassen“, erläutert Lutter. „Für Kinder gibt es Hörspiele sowie eine altersgerechte Musikauswahl. Für Jugendliche und Erwachsene gibt es ein breites Angebot an Hörbüchern sowie Musikarchive, die mehrere Millionen Titel umfassen. Bei einigen Anbietern können auch Radioshow-ähnliche Inhalte, sogenannte Podcasts, gestreamt werden.“

Konkurrenz für das Radio

Zusätzliche Konkurrenz bekommt das Medium Radio durch Playlisten bzw. Streams, die bestimmte Musikstile in einer vorgegebenen Auswahl von Songs (aber oft mit der Option zum Überspringen von Titeln) bieten oder auf bestimmte Tätigkeiten ausgerichtet sind. So tragen beispielsweise bei Amazon Prime Music Playlisten Namen wie „Entspanntes Frühstücken“, „Pool Party“ und „Pop-Motivation zum Arbeiten“.

Die Hörer auf diese Weise in ihrer jeweiligen Lebenssituation „abzuholen“ kennt man schon lange vom Formatradio. Anders als ein Radioprogramm können solche Playlisten vom User gezielt ausgewählt werden, wenn er tatsächlich Musik für die jeweilige Situation hören möchte und er bekommt sie nicht vorgesetzt, wenn sich die Mehrheit der Hörer eines Radioprogramms gerade der statistische Auswertung nach in dieser Situation befindet. Darauf wird die Radiobranche eine Antwort finden müssen. Andererseits ist der Umstand, dass alle Hörer gleichzeitig denselben Song hören, doch noch eine Stärke des Mediums Radio, weil hierbei ein Gemeinschaftsgefühl entsteht.

Ich bin optimistisch und glaube, dass die wachsende Verbreitung von Streamingdiensten einen Innovationsdruck aufbauen wird, der am Ende für ein besseres Programm sorgen wird. Zudem werden die Grenzen zwischen Musikstreaming, wie wir es heute kennen, und Radioprogrammen künftig weiter verschwimmen. Zudem hat die inzwischen große Verbreitung von Musikstreaming hierzulande noch nicht zu deutlichen Hörerverlusten beim Medium Radio geführt. Laut aktueller Media Analyse konnte Radio nicht nur insgesamt Hörer dazugewinnen, sondern auch in den jungen Zielgruppen einen Zuwachs verzeichnen.

Autor Oliver Springer

Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter natürlich Musik sowie Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Black Music Website rap2soul.de. Bei METAMA übernehme ich neben der Betreuung der Website auch Aufgaben im kreativen Bereich sowie im Marketing.

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