Einerseits erlebt Musikstreaming inzwischen einen Boom in Deutschland. Andererseits ist es in weiten Teilen der Bevölkerung bisher nicht angekommen. Der Bundesverband Musikindustrie e. V. (BVMI) und die GfK haben diese Woche frische Zahlen vorgelegt, die nicht nur das hohe Wachstumstempo belegen, sondern auch auf ein enormes Wachstumspotenzial hindeuten.

Während in manchen Ländern die CD bereits weitgehend vom Streaming verdrängt wurde, steht der Streaming-Markt in Deutschland noch immer ziemlich am Anfang. Am Mittwoch haben der Bundesverband Musikindustrie e. V. (BVMI) und die GfK eine neue Streamingstudie vorgestellt, für die im September 2014 insgesamt 2.000 Personen ab 14 Jahren in einer repräsentativen Online-Untersuchung teilgenommen haben. Ziel war es, nicht allein einen Überblick über die Verbreitung in Deutschland zu gewinnen, sondern zusätzlich Hindernisse und positive Einflüsse zu identifizieren.

Untersucht wurden dabei nur anmeldepflichtige Dienste wie Spotify, Deezer, simfy und JUKE, wobei allerdings nicht bloß die kostenpflichtige, sondern ebenso die bei manchen Anbietern mögliche kostenlose Nutzung berücksichtigt wurde. Damit sind unter anderem anmeldefreie Videoportale wie YouTube, MyVideo und Clipfish, auf denen viele User Musik hören, nicht Teil der Untersuchung.

Starkes Wachstum, aber noch nicht allgemein interessant

Unter den genannten Einschränkungen nutzen 11,6 Millionen Menschen in Deutschland Angebote für das Streaming von Musik. Davon sieht die Musikindustrie 8,3 Millionen als „umsatzrelevant“ an, was bedeutet, dass sie >>Nutzer eines Premium-Accounts (2,5 Mio.) oder eines werbefinanzierten (Ad-funded) Zugangs mit einer Nutzung von mehr als 1,5 Stunden in der Woche (6,4 Mio.)<< sind. Die Marktforscher erwarten bis 2018 eine Verdoppelung dieser Werte. Zuletzt erhöhten sich die Umsätze aus dem Streaming von Musik binnen eines Jahres um  78,6 Prozent.

Der durchschnittliche Musikhörer wird mit diesen Angeboten bisher nicht erreicht. Der typische Nutzer dieser Dienste ist männlich, Anfang 30 und eine besonders großer Musikfan. >>Für die Hälfte der Bevölkerung ist diese neue Musik-Nutzungsform der Studie zufolge jedoch noch keine Option<<, stellt der BVMI in seiner Presseinfo fest. Als Haupthindernis nennen 65 Prozent der Nichtnutzer die fortlaufende finanzielle Verpflichtung bei einem Abo-Modell. Die Industrie will das Streaming durch Bundle-Angebote, verstärktes Marketing sowie den flächendeckenden Einbau in Kraftfahrzeuge attraktiver machen.

12,8 Millionen sind nicht abgeneigt

Beim BVMI sieht man großes Potzenzial: 12,8 Millionen derjenigen, die Musikstreaming in der hier relevanten Form nicht nutzen, können sich vorstellen, innerhalb eines halben Jahres einen der Dienste auszuprobieren. Das wurde im Rahmen der Studie errechnet. Die Experten unterscheiden anhand der Studie fünf verschiedene Gruppen von Nicht-Nutzern. In diesen ist die Wahrscheinlichkeit, sich doch zu einer Nutzung zu entschließen, unterschiedlich hoch.

„Die jüngste Form der Musiknutzung entwickelt sich dynamisch neben dem stabilen physischen Markt und einer sehr vielfältigen Radiolandschaft. Dennoch gibt es deutlich Luft nach oben. Uns muss es vor allem darum gehen, Menschen von den Premium-Diensten zu überzeugen, denn hiermit wird die Musikindustrie künftig den größten Umsatz erwirtschaften“, stellt BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke fest. „Gleichwohl: Das Nebeneinander von ‚digital‘ und ‚analog‘ macht aktuell die Stabilität des deutschen Marktes aus und wir gehen davon aus, dass dieser Mix auch weiter bestehen wird.“

Tatsächlich gehen die Tonträgerverkäufe in Deutschland nur sehr langsam zurück. Das ist einerseits gut, weil Veränderungen aus der Not heraus zu oft unter kurzfristigen Erwägungen erfolgen. Andererseits besteht die Gefahr, dass die notwendigen Transformationsprozesse nun zu zögerlich angegangen werden, weil das alte Geschäftsmodell noch ziemlich gut funktioniert. Bloß weil die Veränderungen bislang langsam ablaufen bedeutet das aber nicht, dass dies in Zukunft so bleibt.

Author Oliver Springer

Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter natürlich Musik sowie Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Black Music Website rap2soul.de. Bei METAMA übernehme ich neben der Betreuung der Website auch Aufgaben im kreativen Bereich sowie im Marketing.

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