„Sehnsucht“, „Nur mit Dir“, „Kleine Seen“ – reicht das schon für den Stempel „Mädchenmusik“? Ja und nein, denn diese Schulz’schen Hits wurden (und werden) besonders von Mädchen geliebt. Aber bei „Verliebte Jungs“ sah die Sache schon anders aus: Der oft fälschlicherweise der Neuen Deutschen Welle zugerechnete Song im funky 1980er Groove lockte Mädchen und Jungs auf die Floors, die damals noch Tanzflächen genannt wurden. In der deutschen Radioszene kursierte parallel das Gerücht, ein Moderator sei entlassen worden, weil er nach einem Wortbeitrag über Homosexualität „Verliebte Jungs“ als redaktionell gebundenen Titel gespielt haben soll. Ob’s stimmt – wir wissen es nicht.

Purple Schulz | Pressefoto purpleschulz.de

Purple Schulz | Pressefoto purpleschulz.de

Spitzname von überlanger Rocknummer

Sicher dagegen ist: Purple Schulz kam im September 1956 in Köln zur Welt, als Kind wurde ihm das Klavier- und Orgelspielen beigebracht. Als Teenager stand er auf The Who, die Stones und die Beatles. Und Deep Purple, denn den Spitznamen bekam er 1970, weil er in einem Musikladen „Child in time“ an der Hammond C 3 coverte. Drei Jahre später erlebte die erste eigene Band (d’accord) in Köln-Junkersdorf ihre Bühnenpremiere. Berührungspunkte mit der NDW gab es Anfang der 1980er mit der Projektgruppe Neue Heimat („Ich bau Dir ein Schloss“). 1984 gelang mit „Sehnsucht“ der erste große Erfolg und Gesamtverkäufe von einer halben Million Platten. Die eingangs erwähnten Singles erlangten ebenfalls Hitstatus.

Soundtrack zum Ausreiseantrag

Eine Sonderrolle nahm „Sehnsucht“ Mitte der 1980er im Osten ein, denn das Lied wurde dort als Ausdruck der Sehnsucht nach Reisefreiheit aufgefasst. Und die Stasi passte in den Diskos zwischen Rügen und Rudolstadt genau auf, wer den Vers „Ich will raus“ besonders laut mitsang. Das erklärt, dass Purple Schulz nach der Maueröffnung in Ostdeutschland besonders abräumte (ausverkaufter Palast der Republik in Berlin, Open Air in Weißensee).

Touren, Konzerte, Engagement für Demenzkranke und Langzeitarbeitslose – Schulz ist immer aktiv und unterwegs. „Sehnsucht 2014“ hat er im vergangenen Jahr neu eingespielt für das Hörbuch „Vom Leben am Rand der roten Scheibe“ von Kriemhild Mader. Wenn er nicht gerade mit seinem Gitarristen Schrader auf Tour ist, kümmert er sich um Haus und Hof. Zu Frau, Kindern, Hund und Katzen sind mittlerweile drei Enkel hinzugekommen. Auf seiner Website hält Purple Schulz den Kontakt zu seinen Fans, dort können zudem fast alle Songtexte nachgelesen werden. 

Diskografie:

1982: Die Härte (lt. Wikipedia.de von Neue Heimat)

1983: Hautnah (lt. Wikipedia.de von Neue Heimat)

1985: Hautnah (Purple Schulz und die Neue Heimat)

1985: Verliebte Jungs

1987: Der Stand der Dinge

1988: (‚tsvai)

1990: Purple Schulz

1992: Haha

1993: Singles 1984-1992

1994: Spass beiseite?

1997: Pop

1999: Sehnsucht – Die Balladen 1984-1999

2003: Programmänderung

2004: Stunksitzung

2008: Der Stand der Dinge

2009: Essential

2012: So und nicht anders

2013: So ist das live! Das Duo Konzert (CD + DVD) 

Purple Schulz im Internet

Homepage: purpleschulz.de

Autor Torsten Williamson-Fuchs

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