Deutscher Musikmarkt: Weniger CDs, mehr Streaming!

By 21. August 2014 Juli 1st, 2016 News

Die Deutschen geben weniger Geld für Musikdownloads aus. Dank der enormen Zuwächse beim Streaming stiegen die Umsätze im digitalen Musikgeschäft trotzdem deutlich, berichtet der Bundesverband Musikindustrie. Das Comeback der Schallplatte hält an.

Eine geringe Nachfrage im Frühling sorgte in der ersten Jahreshälfte 2014 auf dem deutschen Musikmarkt für ein Umsatzminus von 0,8 Prozent. Zwischen Januar und Juni wurden dieses Jahr 656 Millionen Euro umgesetzt, 4 Millionen weniger als in den ersten sechs Monaten des vorigen Jahres.

Die CD bleibt auf dem deutschen Musikmarkt der mit Abstand wichtigste Umsatzbringer. Wie aus frischen Daten des Bundesverband Musikindustrie (BVMI) zum ersten Halbjahr 2014 hervorgeht, liegt ihr Anteil nach dem jüngsten Umsatzrückgang in Höhe von 3,6 Prozent aber bloß noch bei 65,6 Prozent

Musikstreaming gewinnt an Bedeutung

Demgegenüber gab es im Segment des abonnementbasierten und werbefinanzierten Musikstreamings innerhalb eines Jahres ein Plus von satten 77 Prozent, was den Streamingdiensten einen Anteil von 7,7 Prozent einbringt. Die Schallplatte bleibt zwar ein Nischenprodukt, erhöht ihren Anteil auf dem deutschen Markt im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 allerdings um 34,5 Prozent auf 2,4 Prozent.

Grafik: Bundesverband Musikindustrie (mit Daten von GfK Entertainment)

Grafik: Bundesverband Musikindustrie (mit Daten von GfK Entertainment)

Der Abwärtstrend beim Verkauf von Musikvideos (-10,4 Prozent), physischen Singles (-31,2 Prozent) und Musikkassetten (-39,3 Prozent) setzte sich in der ersten Jahreshälfte fort. Kaum mehr als 50 Jahre nach ihrer Einführung spielt die Musikkassette in Deutschland keine Rolle mehr.

Digitales Geschäft wächst

Für den digitalen Bereich meldet der BVMI ein Plus von 7,5 Prozent auf 174 Millionen Euro, womit die deutsche Musikindustrie mehr als jeden vierten Euro (26,5 Prozent) digital erwirtschaftete. Nur auf den ersten Blick überrascht der um 7,1 Prozent niedrigere Umsatz mit Download-Musik, die im ersten Halbjahr einen Anteil von 18,6 Prozent hatte – Platz zwei nach der CD. Angesichts des 77-Prozent-Plus beim Streaming von Musik wundert es mich eher, dass es keinen deutlichen Einbruch beim Geschäft mit Downloads gab.

Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI: „Wir beobachten derzeit am Gesamtmarkt ein vergleichsweise stabiles Marktgeschehen in Deutschland, wobei die CD nach wie vor die tragende Rolle spielt. Anders als in anderen Ländern verlagert sich der Musikkonsum hierzulande in einem moderateren Tempo in die digitale Welt. Dabei zeigt vor allem auch der Blick ins Ausland, dass es nicht die eine digitale Transformation gibt, sondern gerade die Vielfalt der Musikformate im Markt überzeugt. Es ist erfreulich, dass die aktuelle Dynamik im deutschen Markt ohne gravierendere Einschnitte vonstattengeht. Wann wir wieder auf nachhaltiges Wachstum hoffen können, hängt dabei neben dem weiteren Ausbau des legalen Angebots und den Verschiebungen der Nutzungsgewohnheiten der Deutschen vor allem davon ab, dass der durch zahllose unlizenzierte Gratisangebote gestörte Marktplatz im digitalen Raum endlich zu einem fairen Marktplatz wird.“

Langsam, aber stetig

In der Tat verläuft der Wandel in Deutschland ziemlich langsam und ist Musikstreaming beim Durchschnittsbürger bislang nicht angekommen. In Norwegen und Schweden stammen bereits mehr als zwei Drittel der Gesamtumsätze aus dem Streaming. Das bedeutet zwar nicht, dass in Deutschland über kurz oder lang das Streaming ebenfalls zur dominierenden Form des Musikhörens werden muss – wohl aber, dass ein solcher Wandel sehr schnell geschehen kann.

Ich glaube deshalb nicht, dass die CD so lange wie die Musikkassette als Tonträger relevant bleiben wird. Gut möglich, dass sie in gar nicht so ferner Zukunft weniger populär als die Schallplatte sein wird, denn abgesehen vom Klang spielt hier die emotionale Bindung und das haptische Erlebnis eine wichtige Rolle. Auf welche Art und Weise hört Ihr heute hauptsächlich Musik?

Author Oliver Springer

Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter natürlich Musik sowie Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Black Music Website rap2soul.de. Bei METAMA übernehme ich neben der Betreuung der Website auch Aufgaben im kreativen Bereich sowie im Marketing.

More posts by Oliver Springer

Join the discussion 2 Comments

  • Pingback: Musikdownloads bald nicht mehr gefragt? | Bandscomeback
  • Pingback: Musikstreaming: Doppelt so viele User bis 2018 | Bandscomeback

Leave a Reply

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu