Eine Musikanlage braucht heute nicht mehr zwingend einen CD-Player oder gar ein Kassettendeck. Entscheidend sind für immer mehr Musikhörer die Vernetzungsmöglichkeiten und die Online-Anbindung.

In meiner Jugend wäre ich froh gewesen, wenn meine Stereoanlage eine Verbindung zur Hausantenne gehabt hätte. Stattdessen gab es nur eine Wurfantenne – ein Euphemismus für ein Stück Draht, das an der Rückseite befestigt war. Rauschfreier UKW-Stereoempfang war so nicht garantiert, und wenn man seine Position im Raum veränderte, konnte man damit den Empfang leicht stören.

Ach, die gute alte Zeit, ich vermisse sie nicht! Aber sie ist mir immer noch eine Orientierungsmarke für den Fortschritt beim Musikhören, etwa wenn der BITKOM wie kürzlich eine Pressemitteilung mit >>Internetfähigkeit wird auch für Stereoanlagen immer wichtiger<< einleitet. Was dann folgte, war durchaus interessant. So betrug der Umsatzanteil bei „stationären Audio-Geräten“ im ersten Halbjahr hierzulande schon 19 Prozent. Bei „portablen Musikplayern“ waren es sogar schon 35 Prozent, wie der BITKOM unter Berufung auf frische GfK-Daten berichtet.

Auslaufmodell CD-Player

„Der klassische CD-Player ohne Internetanschluss wird zusehends zum Auslaufmodell“, sagt Timm Hoffmann, Audio-Experte beim BITKOM. „Die Verbraucher hören Musik zunehmend über Internetdienste. Entsprechend wird es immer wichtiger, Audio-Geräte mit dem Internet verbinden zu können.“ Und es ist ja nicht nur das Internet, möchte ich ergänzen, Vernetzung bedeutet ja beispielsweise auch, lokal gespeicherte Musik auf anderen Endgeräten abspielen zu können.

Im Internet wartet allerdings weit mehr Musik, besonders Streaming-Angebote ermöglichen einen recht unkomplizierten Musikgenuss aus gigantischen Archiven, mit denen keine Privatsammlung mithalten kann. Praktisch ist Musikstreaming nicht zuletzt unter dem Aspekt, unabhängig von einem bestimmten Gerät und unabhängig von einem bestimmten Ort aus dem Vollen schöpfen zu können. Es werden schließlich immer mehr verschiedene Endgeräte zum Musikhören verwendet.

Mobile Endgeräte gewinnen stark an Bedeutung

So hören 46 Prozent der deutschen Smartphone-Besitzer häufig auf ihren mobilen Telefonen Musik, bei Desktop-PCs und Notebooks liegt dieser Wert bei 44 Prozent, Tablets liegen mit 43 Prozent knapp dahinter, weiß man beim BITKOM aus Umfragen. Hoffmann: „Das Internet wird zur zentralen Drehscheibe für Musik. Die Fähigkeit, auf die verschiedenen Online-Dienste direkt zugreifen zu können, macht Mobilgeräte und Computer zum Abspielen von Musik besonders attraktiv.“

Für ein großes Angebot sorgen nicht nur Downloadshop- und Musikstreaming-Services, sondern zusätzlich weniger etablierte Dienste, darunter Portale zum Hochladen eigener Stücke, Angebote zum Hören kompletter DJ-Sets und Livestreaming von Privatkonzerten.

>>Zu den beliebtesten Audiodiensten im Netz gehören Musik-Streaming-Angebote, bei denen für einen festen monatlichen Beitrag auf ein großes Musikarchiv zugegriffen werden kann<<, heißt es in der Presseinfo des BITKOM. Das halte für übertrieben. Der Bundesverband Musikindustrie gab im Sommer bekannt, dass Musikstreaming-Portale einen Umsatzanteil von 3,2 Prozent erreicht haben – ein ordentlicher Sprung von 1,3 Prozent im vorigen Jahr, aber davon, zu den beliebtesten Audiodiensten im Netz zu zählen, sind sie noch weit entfernt.

Nicht neu, aber erst seit Kurzem erfolgreich

>>Am 7. Oktober 2008 startete mit Spotify einer der weltweit ersten Dienste dieser Art in Schweden<<, heißt es seitens des BITKOM weiter. >>In Deutschland gibt es entsprechende Angebote erst seit einer Einigung zwischen GEMA und BITKOM im Dezember 2011.<< Falsch! Napster führte eine Musikflatrate gegen eine geringe monatliche Gebühr bereits im Dezember 2005 in Deutschland ein. Ich schloss damals sofort ein Abonnement ab, bei dem man übrigens nicht nur online die Musik hören, sondern diese auch downloaden konnte. Mittels Kopierschutz wurde sichergestellt, dass man diese Dateien nur so lange nutzen konnte, wie man zahlender Kunde war. Und seit dem Start im Mai 2010 – also nicht erst 2011 – höre ich via simfy Musik.

Richtig ist allerdings, dass seit der großen Einigung zwischen GEMA und BITKOM zahlreiche Musikstreaming-Angebote in Deutschland gestartet sind, die Auswahl stieg anschließend schnell. Dass nun schon 6 Millionen Menschen in Deutschland Musikstreaming-Services nutzen (und immerhin 16 Millionen sie kennen), zeigt, dass es eine große Nachfrage für derartige Angebote gibt.

Author Oliver Springer

Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter natürlich Musik sowie Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Black Music Website rap2soul.de. Bei METAMA übernehme ich neben der Betreuung der Website auch Aufgaben im kreativen Bereich sowie im Marketing.

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