Wer Musik mag, muss sie nicht sammeln. Das gilt heute mehr als früher. Mit Streaming-Diensten wie simfy, die Millionen Songs von verschiedenen Endgeräten aus zugänglich machen, steht einem rund um die Uhr eine Fülle offen, wie sie keine normale Plattensammlung auch nur ansatzweise bieten konnte.

Damit möchte ich nicht dazu aufrufen, keine Musik mehr zu kaufen. Anders als vor einigen Jahren gibt es aber eine Alternative zum Kauf von Singles, Maxis und Alben, um sich jederzeit mit seiner Lieblingsmusik zu versorgen.

Schon immer war mir Abwechslung wichtig. Das Suchen, Entdecken und Kaufen von Platten sowie die Zusammenstellung neuer Cassetten mit einer jeweils perfekt aufeinander abgestimmten Songauswahl nahm in meiner Jugend einen wesentlichen Teil meiner Zeit in Anspruch. Diese Zeit gehörte zur besten Zeit.

Das Ende der Platzprobleme

Dennoch fühle ich mich heute befreit. Befreit davon, jeden guten Song als Platte, Musikkassette, CD oder als Datei besitzen zu wollen. Musik zu sammeln stellt Musikfans heute immerhin nicht mehr vor ein Platzproblem. Ab einem gewissen Umfang wurde eine Plattensammlung in Metern gemessen. Regalmetern oder Höhenmetern (bei Stapeln). Auf Cassetten oder CDs fand eine umfangreiche Sammlung leichter Platz. Selbst bei Musikdateien konnte ein ähnliches Platzproblem auftreten. Dank billiger externer Festplatten und billigem Online-Speicher sind dem Sammeln von Musik so gesehen keine Grenzen mehr gesetzt.

Das Sammeln habe ich zwar nicht aufgegeben, doch das Angebot ist heute dermaßen groß, dass mir das Ansammeln sinnlos erscheint. Wer seinen Urlaub im Hotel verbringt, hat nichts davon, so viel er tragen kann, vom Frühstücksbuffet einzupacken. Es wird jeden Morgen aufs Neue ein Überangebot auf den Tisch gestellt. So viel wie möglich zu essen, um die Gelegenheit auszunutzen, ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Man kann sich etwas für eine Zwischenmahlzeit einpacken, doch ansonsten sollte man es einfach genießen.

Um im Bilde zu bleiben: Überkommt einen zwischendurch doch der Hunger, wird einem die Hotelküche etwas zubereiten. Wenn es soweit ist. Falls man es braucht. So viel man braucht. Hat man sich daran gewöhnt, mit dieser Fülle umzugehen, kann man sie besser genießen. Wer überfordert ist, beschränkt sich beim Hören von Musik vielleicht auf das, was sein bevorzugter Radiosender gerade spielt.

Ein Überangebot kann überfordern

Mit dem Überangebot umzugehen, ist nicht für jeden leicht. Viele Verbraucher stresst beispielsweise die große Auswahl im Supermarkt. Die Discounter sind bei vielen nicht zuletzt wegen ihrer geringen Auswahl beliebt.

Von einigen Liedern und Alben abgesehen, die ich mir immer wieder anhöre, ist Musik hören für mich im Laufe der Zeit immer mehr zum Musik entdecken geworden. Die meisten Alben höre ich nur ein einziges Mal. Es gibt so viel gute Musik, dass man kein Lied zweimal hören muss. Wie gesagt, ich habe meine Favoriten, aber es gibt so viel zu entdecken!

Jeden Tag neue Musik entdecken

Die Herausforderung besteht nicht nur darin, wie viele Musiker mit den heutigen Möglichkeiten etwas veröffentlichen können. Mit jedem Jahr sammelt sich mehr Musik an. Plattenläden konnten stets nur einen sehr kleinen Teil davon für ihre Kunden bereithalten, Radiosender nur einen kleinen Teil davon im Programm spielen. Mit tausenden von Radiostreams aus dem Internet aus allen Teilen der Welt sind heute ganz andere musikalische Entdeckungen möglich. Aus Millionen Titeln individuell wählen zu können, ist noch einmal eine andere Qualität in puncto Quantität.

Wie geht Ihr mit der Überfülle um? Haben sich Eure Hörgewohnheiten verändert?

Author Oliver Springer

Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter natürlich Musik sowie Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Black Music Website rap2soul.de. Bei METAMA übernehme ich neben der Betreuung der Website auch Aufgaben im kreativen Bereich sowie im Marketing.

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