Sich mit neuer Musik einzudecken, war früher viel spannender. Man wusste oft nicht, was man bekam. Zumindest wusste man es oft nur so ungefähr. Mit den heutigen Möglichkeiten, Musik über das Internet hören zu können, hat der Kauf von Musik das Geheimnisvolle verloren.

Nein, früher war nicht alles besser. Manches schon, aber für Musikfans ist es heute so viel leichter, die zum eigenen Geschmack passenden Künstler bzw. Songs zu entdecken. Von einem Onlineshop erwarten wir, in alle Lieder hineinhören zu können. Und mit Angeboten wie simfy oder dem vor ein paar Tagen neu gestarteten „Music Unlimited powered by Qriocity“ von Sony können wir Millionen Songs online hören, ohne sie erst kaufen zu müssen.

Alles ist vorhörbar

Das ist wunderbar, aber dennoch: Die Überraschung, das Abenteuer fehlt mir ein wenig. Früher habe ich nicht nur Platten gekauft, weil der Name des Künstlers mir Gütesiegel genug war. Der Name eines Labels oder natürlich ein Blick aufs Cover konnte genügen, um mich für den Erwerb einer Platte zu entscheiden. Doch damit nicht genug!

Die A-Seite einer Single kannte man aus dem Radio, doch was einem die Rückseite brachte, wusste man selten vorher. Ähnlich verhielt es sich bei Langspielplatten: Der Kauf eines Albums war ein Abenteuer, denn woher sollte man die noch nicht als Single ausgekoppelten Stücke kennen? Das eine oder andere Mal hörte man im Plattenladen in ein Album hinein, die Alben in der Sammlung von Freunden konnte man sich sogar in Ruhe anhören. Vom großen Rest musste man sich überraschen lassen.

Ich war ein fleißiger Plattenkäufer und habe daher entsprechend viele Überraschungen erlebt. Von Freunden hörte ich meistens negative Kommentare zu ihren Album-Überraschungskäufen, doch ich war nur selten enttäuscht. Schon bald mochte ich Alben lieber als Singles.

Urteile im Schnellverfahren

Ob ich ein Album mag oder nicht, entscheide ich heute über die Online-Hörproben. Selbstverständlich. Nur wenn ich schon hohe Erwartungen habe, höre ich mir (soweit möglich) vor dem Kauf alles an. Nervt ein Lied, bin ich allerdings schnell beim nächsten. In analogen Zeiten hörte man sich sogar regelmäßig auch die Lieder an, die man nicht mochte, weil sie nun einmal zwischen den anderen auf dem Album waren. So konnte man sich an sie gewöhnen und mochte sie unter Umständen am Ende doch.

Was das angeht, hat sich nicht nur die Art, wie wir mit Musik umgehen, verändert, glaube ich. Das lässt sich auf andere Lebensbereiche übertragen. Zurück in die Vergangenheit möchte ich dennoch nicht. Wenn wir uns daran erinnern, können wir aus freier Entscheidung sozusagen das Beste aus der Vergangenheit herausholen. Wer hindert uns daran, Zeit zu investieren, um uns mehr wie damals auf das Werk ein Künstlers einzulassen?

Author Oliver Springer

Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter natürlich Musik sowie Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Black Music Website rap2soul.de. Bei METAMA übernehme ich neben der Betreuung der Website auch Aufgaben im kreativen Bereich sowie im Marketing.

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